Traumasensible Sexualpädagogik und Schutz in der Jugendhilfe
Auf einen Blick
In diesem Expertenkurs geht es um Sexualpädagogik in der Jugendhilfe, um sexuelle Entwicklung und sexuelle Rechte, um eine traumasensible Haltung, Sprache sowie den professionellen Umgang mit Nähe und Distanz. Thematisiert werden Grenzverletzungen, sexuelle Übergriffe und Täter*innenstrategien ebenso wie Gruppendynamiken, Peer Druck und Risikokonstellationen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Alltagsthemen wie Sexting, Pornografie und digitalen Medien, Verhütung, Teenagerschwangerschaft und sexueller Gesundheit. Außerdem geht es um Gespräche mit Jugendlichen und Eltern sowie um Schutzkonzepte, Teamprozesse und die strukturelle Verankerung von Schutz und Verantwortung.
Expertenkurs für Fachkräfte
Sexualität ist ein Teil des Menschseins. Kinder und Jugendliche haben das Recht, sich geschützt und begleitet in Bezug auf Körper, Beziehung, Identität und Begehren zu entwickeln. Diese sexuellen und reproduktiven Rechte sind Menschenrechte. Sie gelten unabhängig von Herkunft, Geschichte oder den persönlichen Haltungen einzelner Fachkräfte.
Gleichzeitig erleben viele Jugendliche in der Jugendhilfe Grenzverletzungen, Gewalt, Beschämung oder massive Verunsicherung. Manche haben sexualisierte Gewalt erfahren, andere geraten selbst in grenzüberschreitende Situationen. In der Praxis führt diese Realität oft zu großer Unsicherheit und Sprachlosigkeit. Darf ich darüber sprechen? Welche Worte sind richtig? Wann muss ich eingreifen? Und wann würde Schweigen mehr schaden als schützen?
Aus Angst vor Fehlern oder vor Retraumatisierung wird Sexualität im pädagogischen Alltag nicht selten vermieden. Doch genau das kann dazu führen, dass junge Menschen auf ihre Gewalterfahrungen reduziert werden und ihnen ein wichtiger Teil von Entwicklung, Selbstwirksamkeit und Lebensfreude verloren geht.
Dieser Expertenkurs vertritt eine klare Haltung. Sexualität ist nicht dasselbe wie sexuelle Gewalt. Sexualisierte Gewalt benutzt Sexualität als Mittel, um Macht und Kontrolle auszuüben. Eine traumasensible Sexualpädagogik dagegen stärkt, schützt und eröffnet Entwicklungsräume. Sie hilft Jugendlichen, ihren Körper, ihre Grenzen und ihre Rechte besser zu verstehen und zu vertreten.
Gute sexualpädagogische Arbeit in der Jugendhilfe darf nicht vom Mut oder von der Unsicherheit einzelner Personen abhängen. Sie braucht eine gemeinsame Haltung, eine gemeinsame Sprache und klare Schutzstrukturen. Genau hier setzt dieser Kurs an. Er verbindet Sexualpädagogik, Traumawissen und Kinderschutz zu einer praxisnahen und verantwortungsvollen Qualifizierung für Fachkräfte.
Für wen ist dieser Kurs?
Dieser Kurs richtet sich an Fachkräfte, die mit Jugendlichen arbeiten und Verantwortung für Begleitung, Schutz und Entwicklung tragen. Dazu gehören insbesondere Mitarbeitende in der stationären Jugendhilfe und in Wohngruppen, in ambulanten Hilfen und der SPFH, in der Schulsozialarbeit sowie Fachkräfte in der Jugendhilfe, im Kinderschutz und in Leitungsfunktionen.
Der Kurs ist sowohl für erfahrene Fachkräfte geeignet, die ihre Handlungssicherheit vertiefen möchten, als auch für Kolleginnen und Kollegen, die sich in diesem sensiblen Arbeitsfeld fachlich klarer aufstellen wollen. Vorerfahrungen in Sexualpädagogik sind hilfreich, aber keine Voraussetzung.
Was du in diesem Expertenkurs gewinnst
In diesem Expertenkurs entwickelst du mehr Sicherheit im Umgang mit Sexualität, Grenzen und Schutz in der Jugendhilfe. Du gewinnst Klarheit in der fachlichen Einordnung von Situationen und mehr Ruhe und Souveränität im eigenen Handeln. Du erweiterst deine Sprachfähigkeit in Gesprächen mit Jugendlichen, Eltern und im Team und bekommst Orientierung im Zusammenspiel von Sexualpädagogik, Trauma und Kinderschutz.
Viele Teilnehmende erleben nach solchen Qualifizierungen, dass sie schwierige Situationen weniger hilflos, sondern strukturierter, ruhiger und klarer angehen und sich in ihrer professionellen Rolle gestärkt fühlen.
Aufbau und Umfang des Kurses
Der Expertenkurs ist als berufsbegleitende Qualifizierung konzipiert und besteht aus vier Modulen, die aufeinander aufbauen. Jedes Modul umfasst zwei Seminartage. Der Kurs verbindet fachlichen Input, Reflexion, Fallarbeit und praktische Übungen und bietet so einen guten Transfer in den pädagogischen Alltag.
Der Kurs findet im Online Format statt. Dadurch ist er gut mit dem Arbeitsalltag vereinbar und ermöglicht gleichzeitig intensives, gemeinsames Lernen in einer festen Gruppe. Der Gesamtumfang beträgt etwa 48 Stunden.
Die Module bauen inhaltlich aufeinander auf und sollten als Gesamtpaket besucht werden, da sie gemeinsam das fachliche Konzept dieses Kurses bilden.
Die Module
Modul 1: Sexualpädagogisches Fundament, Entwicklung und professionelle Haltung
Modul 2: Grenzverletzungen, sexuelle Übergriffe und Täter*innenstrategien
Modul 3: Handeln im Alltag, Kommunikation, Medien und Verhütung
Modul 4: Schutzkonzepte, Team und strukturelle Verantwortung
Modul 1: Sexualpädagogisches Fundament, Entwicklung und professionelle Haltung
Im ersten Modul wird das fachliche Fundament für den gesamten Kurs gelegt. Es geht um die Frage, was Sexualpädagogik in der Jugendhilfe bedeutet, wie sexuelle Entwicklung im Jugendalter verläuft und welche Rolle Sprache, Haltung und professionelle Verantwortung dabei spielen. Die Teilnehmenden setzen sich mit grundlegenden Begriffen, mit sexuellen und reproduktiven Rechten und mit der eigenen Rolle im pädagogischen Alltag auseinander.
Ziel dieses Moduls ist es, Sicherheit im Denken und Sprechen über Sexualität zu gewinnen, einen klaren Blick auf altersangemessene Entwicklung zu entwickeln und eine gemeinsame fachliche Basis für die weiteren Module zu schaffen. Nähe, Distanz und Grenzen werden hier als Teil professioneller Haltung eingeordnet, nicht aus Angst, sondern aus Klarheit und Verantwortung.
Modul 2: Grenzverletzungen, sexuelle Übergriffe und Täter*innenstrategien
In diesem Modul geht es um die Übergänge zwischen altersangemessener Entwicklung, grenzverletzendem Verhalten und sexuellen Übergriffen unter Jugendlichen. Die Teilnehmenden lernen, Situationen fachlich differenziert zu betrachten und Dynamiken in Gruppen, Peer Druck sowie Macht und Abhängigkeiten besser zu verstehen.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf typischen Täter*innenstrategien und Risikokonstellationen. Es wird erarbeitet, wie Übergriffe vorbereitet, verdeckt oder normalisiert werden können und welche Warnsignale Fachkräfte ernst nehmen sollten. Ziel dieses Moduls ist es, den Blick für Gefährdungen zu schärfen und Sicherheit in der fachlichen Einschätzung zu gewinnen.
Modul 3: Handeln im Alltag: Kommunikation, Medien, Verhütung
Dieses Modul verbindet Intervention und Prävention mit den realen Alltagsthemen der Jugendhilfe. Die Teilnehmenden beschäftigen sich damit, wie Gespräche mit Jugendlichen über Sexualität, Grenzen und Vorfälle geführt werden können und wie auch schwierige Gespräche mit Eltern klar und respektvoll gestaltet werden.
Ein Schwerpunkt liegt auf Themen wie Sexting, Pornografie, digitale Medien, Verhütung und Teenagerschwangerschaft. Es geht darum, diese Themen weder zu dramatisieren noch zu tabuisieren, sondern sie fachlich, schützend und entwicklungsfördernd zu begleiten. Auch Intervention, Dokumentation und der Umgang mit emotional belastenden Situationen werden hier vertieft. Ziel ist, mehr Sicherheit im eigenen Handeln und in der Kommunikation zu gewinnen.
Modul 4: Schutzkonzepte, Team und strukturelle Verantwortung
Im letzten Modul wird der Blick auf die strukturelle Ebene gerichtet. Es geht darum, wie Schutz in der Jugendhilfe nicht vom Engagement einzelner abhängen darf, sondern durch gemeinsame Haltung, klare Absprachen und tragfähige Konzepte im Team verankert werden muss.
Die Teilnehmenden arbeiten daran, wie sexualpädagogische Haltung und Schutzkonzepte im Alltag lebendig gehalten werden können, wie Verhaltensleitlinien, Abläufe bei Vorfällen und klare Zuständigkeiten aussehen und wie Teams auch in belastenden Situationen handlungsfähig bleiben. Ziel dieses Moduls ist es, Verantwortung strukturell zu verankern und das Gelernte nachhaltig in den eigenen Arbeitskontext zu integrieren.
Arbeitsweise und Kursformat
Der Expertenkurs ist als interaktive Online Weiterbildung konzipiert und verbindet fachlichen Input mit Austausch, Reflexion und praxisnaher Fallarbeit. Ziel ist nicht nur Wissensvermittlung, sondern die Entwicklung von Haltung, Sicherheit und konkreter Handlungskompetenz für den pädagogischen Alltag.
In den Modulen wechseln sich kurze fachliche Inputs mit Gruppenarbeiten, Fallbesprechungen und gemeinsamen Reflexionen ab. Eigene Fragestellungen und Praxisbeispiele der Teilnehmenden sind ausdrücklich willkommen und fließen in die Arbeit ein. So entsteht ein lebendiger Lernprozess, der sich eng an den realen Herausforderungen der Jugendhilfe orientiert.
Der Kurs findet in einer festen Gruppe statt, um Vertrauen, Offenheit und Kontinuität zu ermöglichen. Trotz Online Format wird großer Wert auf Beziehung, Austausch und einen geschützten Rahmen gelegt. Klare Pausen, transparente Strukturen und ein achtsamer Umgang mit belastenden Themen sorgen dafür, dass auch schwierige Inhalte gut bearbeitbar bleiben.
Warum ich diesen Kurs anbiete
Meine Arbeit ist geprägt von den Menschen, denen ich über viele Jahre begegnet bin. Von Kindern und Jugendlichen mit ihren Fragen, ihrer Neugier, ihren Verletzungen und ihrer Suche nach Orientierung. Von Erwachsenen, die eigene Grenzen erfahren oder überschritten erlebt haben. Und von Fachkräften, die Verantwortung tragen und dabei oft zwischen Unsicherheit, Schutzauftrag und Beziehungsgestaltung stehen.
In all diesen Begegnungen wurde mir immer wieder deutlich, wie zentral die Themen Sexualität, Grenzen und Grenzüberschreitungen im Leben vieler Menschen sind. Und wie wenig Raum es oft gibt, darüber ruhig, klar und ohne Angst ins Gespräch zu kommen. Gerade dort, wo sexualisierte Gewalt eine Rolle gespielt hat, entsteht schnell Sprachlosigkeit. Aus Sorge, etwas falsch zu machen oder zu retraumatisieren, wird dann geschwiegen. Doch Schweigen schützt nicht. Es macht einsam.
Mein Anliegen ist es, dazu beizutragen, dass Sexualität als Teil von Lebendigkeit, Beziehung und Selbstbestimmung verstanden werden kann, und dass zugleich klare Grenzen, Schutz und Verantwortung selbstverständlich dazugehören. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie entlastend es für Menschen ist, wenn sie Worte finden, Unterschiede verstehen und Sicherheit im Denken und Handeln gewinnen.
Dieser Expertenkurs für die Jugendhilfe baut auf meinem bestehenden Expertenkurs im Kinderschutz auf, der sich auf den Umgang mit sexuell übergriffigem Verhalten bei jüngeren Kindern konzentriert. Das Feedback aus diesem Kurs zeigt mir, wie wirksam eine klare Haltung, traumasensible Sexualpädagogik und gemeinsame Sprache sein können. Viele Fachkräfte haben sich danach mehr Sicherheit, mehr Differenzierung und eine Vertiefung für die Arbeit mit Jugendlichen gewünscht. Genau daraus ist dieser Kurs entstanden.
Mir geht es nicht darum, fertige Antworten zu liefern. Mir geht es darum, Räume zu öffnen, in denen Fachkräfte gemeinsam lernen, differenzieren, sprechen und Verantwortung teilen können. Damit Kinder und Jugendliche nicht auf ihre Verletzungen reduziert werden, sondern Schutz, Orientierung und positive Entwicklung erfahren.
Diese Fortbildung ist im Fortbildungsnetz sG gelistet und freigeschaltet. Das Fortbildungsnetz sG vernetzt qualitätsgesicherte Fortbildungsangebote im Bereich sexualisierte Gewalt.
Stimmen aus der Weiterbildung
„Als ich gehört habe, dass der Expertenkurs online stattfindet, hatte ich erst ein mulmiges Gefühl. Inga hat die Weiterbildung aber so gut vorbereitet und begleitet, dass ich mich unter eigentlich fremden Menschen sehr schnell sicher und gut aufgehoben gefühlt habe. Ich hatte wirklich das Gefühl, Teil der Gruppe zu sein, mein Wissen wurde gesehen und wertgeschätzt.
Der Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen und mit Inga war immer respektvoll und vertrauensvoll, die Methoden waren auch online abwechslungsreich und lebendig. Ich habe mich jedes Mal auf die Termine gefreut und war am Ende fast ein bisschen traurig, dass die Weiterbildung vorbei war.
Allen, die überlegen, ob eine Weiterbildung zu diesem Thema online sinnvoll ist, kann ich nur sagen: Mit Inga an eurer Seite ist sie es definitiv.“
Jenny, 38 Jahre, Teilnehmerin des Expertenkurses Kinderschutz
Organisatorisches
Format und Ablauf
Der Expertenkurs findet vollständig im Live Online Format statt. Alle Module werden in einer festen Gruppe durchgeführt, sodass Vertrauen, Kontinuität und ein gemeinsamer Lernprozess entstehen können. Der Kurs ist interaktiv aufgebaut und verbindet fachlichen Input, Austausch, Reflexion und Fallarbeit. Der Kurs besteht aus vier Modulen, die jeweils zwei Seminartage umfassen. Die Module bauen inhaltlich aufeinander auf und sollten als Gesamtpaket besucht werden.
Umfang und Zeiten
Der Gesamtumfang des Kurses beträgt 48 Stunden. Die Seminartage finden jeweils von 09:00 bis 15:00 Uhr statt.
Zertifikat
Nach vollständiger Teilnahme an allen Modulen erhalten die Teilnehmenden ein Zertifikat über die absolvierte Qualifizierung „Traumasensible Sexualpädagogik und Schutz in der Jugendhilfe, Expertenkurs“.
Teilnahmevoraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte in der Jugendhilfe. Spezifische Vorkenntnisse in Sexualpädagogik sind hilfreich, aber keine Voraussetzung. Wichtig ist die Bereitschaft, sich mit einem sensiblen Thema fachlich und persönlich auseinanderzusetzen.
Kosten und Anmeldung
Kosten
Der Standardpreis für den gesamten Kurs beträgt: 1.100 €
Frühbucherrabatt: Bei einer Anmeldung bis zum 20. August 2026 erhalten Sie einen vergünstigten Preis von 10 % Rabatt → 990 €
Es gibt auch Rabatte für mehre Mitarbeitende aus einer Einrichtung
Anmeldung
Die Anmeldung erfolgt über das Anmeldeformular auf der Website. Nach der Anmeldung erhalten die Teilnehmenden eine Bestätigung sowie alle weiteren Informationen zum Ablauf und zur Teilnahme. Da der Kurs in einer festen Gruppe stattfindet und auf Austausch und Vertrauensaufbau ausgelegt ist, ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Die Plätze werden in der Reihenfolge der Anmeldungen vergeben.
Teilnahme und Fehlzeiten
Damit das Zertifikat ausgestellt werden kann, ist eine regelmäßige Teilnahme erforderlich. Fehlzeiten dürfen maximal 10 Prozent der Gesamtzeit betragen. Sollte diese Grenze überschritten werden, kann der Kurs nur mit einer Teilnahmebestätigung, jedoch ohne Zertifikat abgeschlossen werden. In begründeten Einzelfällen kann nach Absprache geprüft werden, ob eine versäumte Einheit in einem späteren Kurs nachgeholt werden kann.
Qualität und fachliche Einordnung
Dieser Expertenkurs ist im Fortbildungsnetz sG gelistet, der bundesweiten Datenbank für Fortbildungsangebote zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend. Das Fortbildungsnetz sG wird von Fachstellen aus dem Kinderschutz getragen und dient der Qualitätssicherung und Sichtbarkeit qualifizierter Angebote in diesem sensiblen Arbeitsfeld. Die Listung macht sichtbar, dass Inhalt, Haltung und Ausrichtung dieses Kurses sich an fachlichen Standards im Bereich sexualisierte Gewalt, Prävention und Schutz orientieren.
Zum Abschluss
Wenn du deine Handlungssicherheit im Umgang mit Sexualität, Grenzen und Schutz in der Jugendhilfe stärken möchtest und dir eine fachlich fundierte, klare und zugewandte Weiterbildung wichtig ist, dann bist du in diesem Kurs genau richtig.
Ich freue mich darauf, dich in diesem Expertenkurs zu begleiten.